Konzept

Über diesen Blog

Wissenschaft hat ihre präzisen Themen, ihre Methoden und Argumentationsweisen, und zudem auch eine spezifische Sprache. Trotzdem beschäftigt sie sich häufig mit Fragen, die nicht nur für andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wichtig sind – sie ist immer auch Dienstleistung für die Gesellschaft. Zu den Themen vor allem auch der Sozialwissenschaften gehören deshalb insbesondere auch solche, die Viele interessieren und eigentlich Alle angehen.

Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn sich Kommunikations- und Medienwissenschaft, Soziologie oder Informatik mit dem Internet oder allgemeiner mit Computervermittelter Kommunikation beschäftigen, wie sie derzeit existiert: Das betrifft heute die gesamte Menschheit. Denn Internet und Co tragen zum Wandel von Alltag und Berufsarbeit und von Freizeit und sozialen Beziehungen der Menschen bei. Auch die Formen unseres Lebens, Politik und Demokratie, gesellschaftliche Teilhabe und die Möglichkeiten der Selbstverwirklichung ändern sich. Und zwar immer weiter und immer recht schnell. Waren wir vorgestern noch mit dem Handy, Computerspielen und Suchmaschinen im Internet beschäftigt und gestern noch mit sozialen Angeboten wie Myspace, Twitter und Facebook, so heute mit dem allgegenwärtigen Smartphone, Apps und Selfies. Und morgen … was wir da machen, haben IngenieurInnen und InformatikerInnen längst entwickelt, die immer zahlreicheren internetbezogenen Unternehmen planen derzeit die entsprechenden Geschäftsmodelle dafür, weil sie Milliarden zu verdienen hoffen.

Problematisch daran ist, dass solche Entwicklungen vor allem von Unternehmen vorangetrieben werden, die sich um gesellschaftliche Verantwortung kaum kümmern. Entstanden sind Internetgiganten wie Apple, Microsoft, Facebook und Amazon, die hilfreiche Angebote machen, sich aber mit Geld, Daten und Aufmerksamkeit bezahlen lassen und erschreckende Monopole bilden. Auch unterhalb dieser Platzhirsche nutzen immer mehr Firmen die damit verbundenen Möglichkeiten, um Geld zu verdienen, aber nicht nur durch die Produkte, die sie uns anbieten. Sondern durch umfassende Ausforschung und Ausnutzen unserer Daten, durch überzogene Patent- und Urheberrechte und weitere ähnliche intransparente Ausbeutungsformen. Und auch die staatlichen Institutionen, die Polizei, der Verfassungsschutz und alle möglichen anderen gesellschaftlichen Einrichtungen im In- und Ausland versuchen sich auf dem Feld des Datensammelns und nutzen die digitalen Netze für ihre oft zweifelhaften Anliegen.

Aber eigentlich sind die Unternehmen und der Staat Einrichtungen, die nur dann gebraucht werden, wenn sie für uns, die Zivilgesellschaft, da sind: Gesellschaft ist nicht nur die Gesellschaft der Staatsbeamt_innen und der Regierenden, der Unternehmensleiter_innen und ihrer Mitarbeitenden. Gesellschaft ist im Kern letztlich Zivilgesellschaft, für die Staat und Wirtschaft ebenso da sein müssen wie die Polizei, die Schulen und die sozialen Institutionen.

Insofern ist es auch die Zivilgesellschaft, die heute die Entscheidungen treffen muss, die für die Zukunft Aller wichtig sind. Sinnvoll entscheiden können wir als Zivilgesellschaft aber nur, wenn wir uns über unsere Angelegenheiten informieren und verständigen. Dafür gibt es viele Blogs und Foren, in denen das geschieht. Dazu brauchen wir aber auch Wissen über das, was geschieht, und was das bedeutet. Zu diesem Wissen kann und muss Wissenschaft als Dienstleistung für die Zivilgesellschaft beitragen.

Auf einem ganz niedrigen Niveau ist dieser Wissenschaftsblog, der sich momentan noch im Aufbau befindet, dafür gedacht. Vor dem Hintergrund der skizzierten Überlegungen verfolgt dieser Blog das Ziel, die Zivilgesellschaft über aktuelle Entwicklungen zum Wandel von (digitalen) Medien und Gesellschaft zu informieren.

Dementsprechend finden Sie auf diesem Blog:

Woche für Woche mit der Medienbeobachtung eine Auswertung der wichtigsten Themen, die in der Berichterstattung ausgewählter journalistischer Online-Medien im Zusammenhang mit digitalen Medien und Computervermittelter Kommunikation diskutiert werden;

Quartalsweise zusätzlich über die Journalbeobachtung eine Auswertung relevanter wissenschaftlicher Fachzeitschriften, in denen dieselben Themen wissenschaftlich untersucht und zugehörige Forschungsergebnisse präsentiert werden;

Informationen und Beiträge zu wissenschaftlichen Publikationen, die Forschungsergebnisse und Schlussfolgerungen zum Thema Medien- und Gesellschaftswandel enthalten: Kurzversionen von Büchern und wissenschaftlichen Aufsätzen.

Gastbeiträge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die etwa Neuerscheinungen oder andere relevante Themen und Forschungsergebnisse kommentieren und einordnen.

Natürlich können alle Leserinnen und Leser, wie in jedem anderen Blog auch, das diskutieren, kommentieren und beurteilen, was wir hier ins Netz stellen. Wir freuen uns, wenn Sie dazu beitragen und hoffen, dass es auf ein wechselseitiges Lernen hinausläuft.

Träger dieses Blogs ist derzeit das von der DFG geförderte Schwerpunktprogramm „Mediatisierte Welten“, das seit 2010 über diese Fragen forscht. Wir versuchen, über diesen Blog wissenschaftliche Ergebnisse und aktuelle Entwicklungen zum Thema Medienwandel und dessen Bedeutung zur Diskussion zu stellen – unsere eigenen wie auch die publizierten Anderer.

Rückmeldungen an uns in diesem Blog oder über unsere Website www.mediatisierteWelten.de